Begriff
Autismus (griechisch autos "selbst") wird als Sammelbegriff für eine
tiefgreifende Entwicklungsstörung verwendet. Diese beginnt jeweils bereits
im frühen Kindesalter und verhindert die normale Beziehungs- und
Sprachentwicklung. Hinzu kommen extreme Verhaltensauffälligkeiten, die
für die Eltern sehr belastend sind.
Weil diese Entwicklungsstörungen eine Vielzahl verschiedener
Einzelsymptome aufweisen, spricht man von autistischen Syndromen. Zu den
tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zählt neben dem Kanner-Syndrom
(der autistischen Störung im engeren Sinne, auch frühkindlicher
Autismus genannt) das Asperger-Syndrom.
Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Syndromen ist der Schweregrad
der Behinderung. Diese tritt beim Kanner-Syndrom viel früher und
umfassender in Erscheinung, während beim Asperger-Syndrom die
Auffälligkeiten vor allem der emotionalen und motorischen Entwicklung erst
nach dem 3. Lebensjahr beginnen und keine allgemeine
Entwicklungsverzögerung und kein Entwicklungsrückstand der Sprache
festgestellt wird.
Geht man davon aus, dass diese Entwicklungsstörungen zu Ausprägungen
in einem Kontinuum führen, dann wird von einem autistischen Spektrum, bzw.
der Autismusspektrumstörung gesprochen. Die übergänge innerhalb
des Spektrums, vom Kanner-Syndrom zum Asperger-Syndrom und vom
Asperger-Sydndrom zur "Normalität" sind wahrscheinlich fliessend.
Gemeinsame Merkmale sind die eingeschränkte soziale Interaktion, die
eingeschränkte Kommunikation und repetitive Verhaltensmuster. Je nach der
Intensität der Ausprägung werden die betroffenen Personen innerhalb
des Spektrums eingeordnet.
Diagnose
In den psychiatrischen Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM-IV sind es
qualitative Beeinträchtigungen im Vergleich zur normalen Entwicklung, die
als Diagnosekriterien in den folgenden Bereichen (mit jeweils 4 verschiedenen
Kriterien) gelten:
-
Beeinträchtigung der sozialen Interaktion
-
Beeinträchtigung der Kommunikation
-
Beschränkte, repetitive und stereotype Interessen und Aktivitäten
Atypischer Autismus ist eine Sammelkategorie für alle Personen, die die
Diagnosekriterien nur teilweise erfüllen.
Häufigkeit
Von 10'000 Kindern leiden durchschnittlich 4-5 an frühkindlichem Autismus
(Kanner-Syndrom). Berücksichtigt man das ganze Spektrum autistischer
Störungen, dann muss heute von bedeutend höheren Zahlen (bis 25 pro
10'000) ausgegangen werden. Das männliche Geschlecht ist rund 4 x
häufiger von Autismus betroffen als das weibliche.
Geschichtliches
Der Begriff "Autismus" wurde 1911 erstmals vom Schweizer Psychiater Eugen
Bleuler für die Zurückgezogenheit in die innere Gedankenwelt bei
schizophrenen Patienten verwendet. 1943 wurde der frühkindliche Autismus
erstmals vom amerikanischen Kinderpsychiater Leo Kanner (Kanner-Syndrom) und
unabhängig davon 1944 die autistische Persönlichkeitsstörung
(Asperger-Syndrom) durch den österreichischen Kinderarzt Hans Asperger
beschrieben. In den letzten Jahrzehnten hat die Autismus-Forschung grosse
Fortschritte erzielt. Wurde früher davon ausgegangen, dass Autismus nicht
heilbar ist, so kann heute zumindest festgestellt werden, dass Menschen mit
Autismus bei frühzeitiger Förde-rung und in einer
"autismusfreundlichen" Umgebung eine gute Chance haben, eine eigene
Persönlichkeit zu entwickeln und ein sinnvolles Leben zu führen.
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